Gezieltes Leckerlifüttern mit Clickertraining

Das oberste Gebot beim Tischmanieren-Training ist immer die Sicherheit. Das heisst, wenn man weiss, dass das Pferd sehr rüpelig werden könnte, ist es wichtig vorausschauend auch für die eigene Sicherheit zu sorgen. Von Vorteil ist es auch, eine alte Jacke oder einen dicken Pullover anzuziehen, wo es nichts macht, wenn das Pferd mal einen Zipfel erwischen sollte. 

Das Setting

Als erstes wird das Pferd in der Boxe, in einem Auslauf oder Padock gelassen, während man selber ausserhalb des Zaunes bleibt oder man bindet das Pferd sicher an und hält etwas Abstand. Dabei sollte man neutral dastehen, während das Pferd weiss, dass Futter in der Tasche oder der Hand ist. Wahrscheinlich wird es versuchen, einen zu erreichen und das Futter oder den Arm oder sonst was gerade in erreichbarer Nähe ist, anzuknabbern. Dabei macht man aber nichts dergleichen, sondern man steht in genügend Abstand einfach da, sagt nichts und tut nichts. Sobald das Pferd aber (auch zufälligerweise) nur ganz kurz aufhört und den Kopf zurücknimmt oder abdreht clickt man - oder sagt ein konditioniertes Belohnungswort wie "fein" - und gibt ihm sofort ein Leckerli. Natürlich wird das Pferd sofort wieder anfangen zu betteln, man spielt aber sofort wieder Statue. Da eine Wand dazwischen ist, muss man keine Angst um die eigene Sicherheit haben und kann es sich leisten einfach zu warten, egal was für einen Radau das Pferd veranstaltet. Wichtig ist dabei, das Pferd nicht anzustarren oder zu fixieren. So wird das Spiel ca. 6-10 Mal durchgespielt und dann eine kurze Pause eingelegt, damit das Pferd die Sequenz verarbeiten kann. In dieser Pause wird das Pferd in Ruhe gelassen, damit es einen deutlichen Unterschied zwischen "Trainingssequenz" und "Pause" erkennen kann. Dann wiederholt man ca. 2-3 solcher Sequenzen am gleichen Tag. 

Das Pferd wird so innerhalb weniger Trainingslektionen gelernt haben, dass es sehr viel schneller zum Ziel kommt, wenn es den Kopf abdreht und nicht am Menschen rummacht oder ihn sogar beisst. Wenn das geklappt hat, kann man einen Schritt weitergehen, indem man den Schwierigkeitsgrad erhöht und näher beim Pferd steht, so dass es einen tatsächlich anknabbern könnte. Und wenn das Abwenden des Kopfes auch in dieser Distanz klappt, übt man es an verschiedenen Orten: im Stall, auf dem Putzplatz, auf dem Reitplatz, im Gelände etc.

Wichtig! 

Wenn man dem Pferd das Leckerli gibt, schiebt man es ihm nicht ins Maul, sondern hält die Hand weg vom Körper auf die Seite, so dass das Pferd den Kopf zur Seite drehen muss um zu der Hand und dem Leckerli zu kommen. Es ist auch von Vorteil, wenn die Hand dabei tief und immer an einen anderen Ort gehalten wird, so weiss das Pferd nie, wo das Leckerli schlussendlich zu holen ist und wird dadurch viel aufmerksamer. 

Löschungsprozess

Man darf nicht erschrecken, wenn das Pferd das Betteln am Anfang sogar stärker zeigt! Schliesslich war das Verhalten aus seiner Sicht bisher immer erfolgreich und erfolgreiche Strategien legt niemand gerne ab. Darum gibt es meist eine Art "Ausbruch" des alten Verhaltens, kurz bevor es schwächer wird. In der Fachsprache nennt man diesen Ausbruch "Extinction Burst". Dies ist völlig normal! Aber man darf auf keinen Fall das Verhalten in diesem Moment belohnen, sonst wird es stärker denn je auftreten. Es ist darum wichtig, dass man wirklich die Geduld hat und diesen "Ausbruch" stoisch abwartet und aussitzt. Wenn man dann den Moment belohnen kann, wo das Pferd aufhört und sich zurücknimmt und anfängt zu überlegen und den Kopf abwendet, hat man einen sehr grossen Schritt im Training erreicht. Und das wird sich nicht nur auf das Betteln auswirken, sondern auf die ganze Beziehung, denn es geht um die "emotionale Kontrolle" es Pferdes, was insbesondere für ungeduldige Tiere sehr schwierig ist. 

Grundregeln, die IMMER beachtet werden sollten: 

1. Warten bis das Pferd wartet, erst dann ein Leckerli geben. 
2. Leckerli weg vom Körper geben. 

Das Prinzip dieses Trainings ist: 

Nicht unerwünschtes Verhalten abstellen, sondern erwünschtes Verhalten - welches inkompatibel mit dem unerwünschten Verhalten ist - trainieren! 

Wie immer in der Erziehung fordert das die Konsequenz des Menschen. Nicht nur mit dem Pferd, sondern auch mit sich selber!


Die Bilder dazu...

Foto M. Krapf

Foto M. Krapf

Das Tischmanieren-Training soll auch bei der täglichen Arbeit verinnerlicht werden. Obwohl die Hand in die Tasche greift und raschelt, hält sich das an Futter sehr interessierte Pferd vornehm zurück.

Foto M. Krapf

Foto M. Krapf

Die Hand mit dem Leckerli wird deutlich vom Körper weg und tief gehalten und dem Pferd signalisiert dass es jetzt das Leckerli nehmen darf.